Lachen verbindet beim Deutsch-Stammtisch

Stuttgarter Zeitung Kreisausgabe Esslingen 14.01.2023
Seite 18

Von Elisabeth Maier
Im Treffpunkt Ruit kommen Menschen aus Syrien und der Ukraine mit Deutschen ins Gespräch. Der Freundeskreis Asyl baut in Ostfildern Brücken.
Ostfildern. Das Lernen der deutschen Sprache ist für die ukrainische Managerin Elena Ignatuschenko herausfordernd. Bei der Volkshochschule bekomme sie zwar „alle Hilfe, die ich brauche“. Dennoch
findet sie es gut, beim Deutsch-Stammtisch des Freundeskreises Asyl im Treffpunkt Ruit ungezwungen zu sprechen. Mit Martina Gerbig, der Vorsitzenden des Sängerbunds Ruit, tauscht sie Reiseerfahrungen aus. „Sie müssen langsam sprechen.“ Dann klappt die Kommunikation zwischen den Gästen aus der Ukraine, Syrien und Deutschland.
Dass sich der regelmäßige Stammtisch seit dem Sommer gut etabliert hat, freut den Initiator Martin Seeger. „Ein ähnliches Projekt habe ich vor Jahren in Esslingen für internationale Studierende ins Leben gerufen“, erinnert sich der ehemalige Mitarbeiter der Hochschule. Der Deutsch-Stammtisch fand damals in der urigen Kneipe Karmeliter statt. Die ungezwungene Konversation bei einem Glas Wein oder Sprudel habe den jungen Menschen aus aller Welt viel gebracht. Nun kam Seeger auf die Idee, ein ähnliches Angebot auch für Geflüchtete zu machen. Dass sich die Gäste aus arabischen Ländern mit den Ukrainerinnen und Ukrainern bestens verstehen, freut ihn. Auch der Ostfilderner Rolf-Günter Grasser ist dabei und knüpft Kontakte zu den Männern und Frauen, die aus anderen Kulturen kommen.
Wie gut dieser Austausch klappt, ist in der entspannten Runde im Treffpunkt Ruit in der Scharnhauser Straße zu erleben. Weil sie nur wenig Deutsch spricht, sitzt Valentina Ignatuschenko etwas verloren am Tisch. Ihre Tochter Elena plaudert locker mit den anderen. Da kommt der Syrer Marwan Owes an den Tisch der Seniorin. Der Agraringenieur hat in der Ukraine studiert, kommuniziert in ihrer Sprache. Schnell ist das Eis gebrochen.
„Ich übersetze gern, wenn ich helfen kann“, sagt Owes, der sich hauptberuflich beim Esslinger Grünflächenamt um Gartenarbeit und vieles mehr kümmert. Er könne nachfühlen, was die Menschen aus der Ukraine im Krieg erleben mussten. Dass er wegen der Sprachbarrieren nicht in seinem Beruf arbeiten kann, das macht ihn traurig.
Umso glücklicher ist der Vater von vier Kindern, dass sein Sohn jetzt in Hannover Zahnmedizin studiert: „Die anderen drei gehen aufs Gymnasium.“ Dem Syrer ist es wichtig, den Menschen in Ostfildern die Kultur seines Landes nahezubringen: „Im Café Syria kochen wir gemeinsam syrische Spezialitäten und bewirten unsere deutschen Gäste. Das kommt sehr gut an.“

Mit dem Stammtisch macht der Freundeskreis Asyl, der 2022 zu den Preisträgern des Ehrenamtspreises der „Eßlinger Zeitung“ gehörte, ein niederschwelliges Angebot für alle Geflüchteten. „Es ist schön, dass der Austausch klappt“, schwärmt Ursula Zitzler, die Vorsitzende des Vereins: „Es ist ganz unterschiedlich, wer zu den Abenden kommt.“ Auch Afrikaner sind oft dabei. Barrieren zwischen den Menschen unterschiedlicher Nationalitäten sieht auch Zitzler nicht. „Alle sind offen und freuen sich, den Horizont zu erweitern.“ Martina Gerbig, die Vorsitzende des Sängerbunds Ruit, übergab einen Spendenscheck über 800 Euro: „Singen verbindet Kulturen.“ Deshalb machte sie den Männern und Frauen aus Syrien und der Ukraine Mut, zu den Chorproben zu kommen.
Der Deutsch-Stammtisch des Freundeskreises Asyl Ostfildern findet regelmäßig statt. 25. Januar sowie 8. und 22. Februar jeweils von 17.30 bis 19 Uhr im Treffpunkt Ruit in der Scharnhauser Straße 25. Weitere Termine im Internet: fkasyl-ostfildern.de
© Die inhaltlichen Rechte bleiben dem Verlag vorbehalten.